Förderprogramm für Augenheilkunde

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Deutsches
Förderprogramm
für Augenheilkunde

Prof. Dr. med. Thomas Langmann, Köln

Prof. Dr. med. Thomas Langmann

»Vor allem für Nachwuchswissenschaftler ist oftmals eine eigene Experimentierphase wichtig, um die eigenen Stärken zu finden und vom Mainstream abzuweichen.«

Prof. Dr. med. Thomas Langmann

Interview

Herr Prof. Dr. Langmann, in der Vergangenheit haben Erfindungen deutscher Experten der Augenheilkunde entscheidende Impulse gegeben. Welche sind für Sie auch heute noch von wegweisender Bedeutung?

Das Prinzip des Sonnenlicht-Koagulators von Meyer-Schwickerath als Vorreiter der heutigen Laser-Koagulation ist auch für die experimentelle Netzhautforschung heute noch enorm wichtig. Im Laser-Koagulationsmodell lassen sich eine Reihe von wichtigen Mechanismen der Neovaskularisation auch in Modellorganismen nachstellen, und es gilt weiterhin als Gold-Standard der präklinischen Entwicklung von Therapiekonzepten.

Sehen Sie aktuell bahnbrechende Entwicklungen in der Augenheilkunde, die mit den Erfindungen der Vergangenheit schritthalten können?

Als ehemaliger Humangenetiker und Immunologe, der in der experimentellen Ophthalmologie sein Zuhause gefunden hat, sehe ich die genetischen Entdeckungen der letzten Jahre als bahnbrechend an. Im Bereich der seltenen erblichen Netzhauterkrankungen wurden durch genetische Befunde neue Mechanismen der Netzhautdegeneration aufgeklärt und die Grundlagen für Gentherapien geschaffen. Die AMD ist das Paradebeispiel multifaktorieller Krankheiten mit einem hohem erblichen Anteil und ihre Genetik hat neue immunologische Ursachen und Angriffsziele aufgezeigt. Ein verändertes Immunsystem kann auch als überspannendes pathophysiologisches Prinzip bei vielen okulären Erkrankungen insgesamt gesehen werden.

Sie engagieren sich in der unabhängigen Expertenkommission des Deutschen Förderprogramms für Augenheilkunde von Bayer. Wie stufen Sie selbst die Bedeutung dieses Förderprogramms ein und was ist Ihre Erwartung?

Das Förderprogramm kann junge Forscher ermutigen neuartige Projekte zu erproben, die nicht schon vollständig als eigene Forschungslinie entwickelt sind. Vor allem für Nachwuchswissenschaftler ist oftmals eine eigene Experimentierphase wichtig, um die eigenen Stärken zu finden und vom Mainstream abzuweichen. Gleichzeitig können diese neuen Ideen der Ausgangspunkt für den Aufbau von eigenen Arbeitsgruppen sein und schließlich die Grundlagen für erstaunliche Neuentwicklungen liefern.

Welchen Stellenwert hat die Forschung im Alltag einer heutigen universitären Augenklinik?

Wenn der Forschungsgeist genügend stark ausgeprägt ist und entsprechende Ressourcen gebündelt werden, kann ein universitäres Zentrum enorm viel für die forschende Ophthalmologie insgesamt bewegen. Meines Erachtens sind die thematische Schwerpunktbildung und die Anbindung an klinische Abteilungen mit ihren spezifischen Fragen Grundvoraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Mittelfristig wird von solch einem Konstrukt sowohl die Laborforschung als auch die klinische Versorgung optimal profitieren. Ich wünsche mir, dass sich zukünftig alle deutschen, universitären Forschungszentren zusammenschließen und ein Pendant zum US-National Eye Institute bilden. Dieses Zentrum sollte auch im engen Kontakt mit forschenden Firmen stehen, um Neuentwicklungen zu validieren und gemeinsam schneller zur Anwendung am Patienten zu führen.

Wie ist Ihre Erwartung bzgl. möglicher Innovationen innerhalb der Augenheilkunde in den kommenden 5 Jahren?

Die Gentherapie wird aufgrund umfangreicher Vorerfahrungen und innovativer gentechnischer Methoden immer schneller Fahrt aufnehmen und neue Erkrankungsfelder erschließen. Ich bin auch davon überzeugt, dass Erfolge bei Immuntherapien für eine Reihe von Augenerkrankungen neue Behandlungsoptionen aufzeigen können. Dabei werden nicht nur lösliche Immunkomponenten wie Komplementfaktoren, sondern auch Immunzellen selbst als Angriffspunkte im Fokus stehen.