Förderprogramm für Augenheilkunde

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Deutsches
Förderprogramm
für Augenheilkunde

Prof. Dr. med. Katrin Engelmann, Chemnitz

Prof. Dr. med. Katrin Engelmann

»Während es früher kaum Studien für Zulassungen von Medikamenten in der Augenheilkunde gab, hat hier geradezu ein neues Zeitalter begonnen und die Entwicklung ist derzeit nicht zu stoppen.«

Prof. Dr. med. Katrin Engelmann

Interview:

Frau Prof. Engelmann, der Vergangenheit haben Erfindungen deutscher Experten der Augenheilkunde entscheidende Impulse gegeben. Welche es sind für Sie auch heute noch von wegweisender Bedeutung?

Die wohl wichtigste Erfindung eines deutschen Augenarztes war die Entwicklung der Laserkoagulation der Netzhaut, die wegweisende Bedeutung nicht nur in der Augenheilkunde hatte. Für die heutigen Behandlungsoptionen hat die Laserchirurgie in der Augenheilkunde weitreichende Akzente gesetzt. So werden laserchirurgische Techniken am vorderen Augenabschnitt genauso erfolgreich eingesetzt wie am hinteren Augenabschnitt. Besonders interessant ist die Entwicklung von „Softlasern“.

Nicht zu vergessen ist die Entwicklung der Glaskörperchirurgie durch einen deutschen Augenarzt, auch wenn die Entwicklung der Methode dann in den USA stattgefunden hat. Die Entwicklung der Kleinschnitttechnik auch in der Netzhautchirurgie ist eine bedeutende und erfolgreiche Weiterentwicklung und wurde ebenfalls in Deutschland führend entwickelt. Damit und mit weiteren Entwicklungen zeigt sich nach wie vor ein hohes Potenzial Deutschlands in der Geräteentwicklung und -technologie, gerade in der Augenheilkunde.

Sehen Sie aktuell bahnbrechende Entwicklungen in der Augenheilkunde, die mit den Erfindungen der Vergangenheit Schritt halten können?

Ähnlich bahnbrechende Entwicklungen wie in der Gerätetechnologie finden momentan vergleichsweise nicht mehr statt. Dafür ist die Entwicklung der medikamentösen Therapien in der Augenheilkunde aber gewaltig in den Vordergrund gerückt. Während es früher kaum Studien für Zulassungen von Medikamenten in der Augenheilkunde gab, hat hier geradezu ein neues Zeitalter begonnen und die Entwicklung ist derzeit nicht zu stoppen. Das Zeitalter der alleinigen Augentropfen- Therapien wurde verlassen und hier ist sicherlich als eine der größten Innovationen die Entwicklung von Antikörpern oder Antikörper-ähnlichen Strukturen gegen den Wachstumsfaktor VEGF zu sehen. Die medikamentöse Behandlung direkt an der Netzhaut ist Alltag geworden, sicherlich noch undenkbar vor kaum zehn Jahren.

Sie engagieren sich in der unabhängigen Expertenkommission des Förderprogramms für Augenheilkunde von Bayer. Wie stufen Sie selbst die Bedeutung dieses Förderprogramms ein und was ist Ihre Erwartung?

Das Förderprogramm von Bayer für die Entwicklung und Unterstützung von Forschung in der Augenheilkunde halte ich für sehr wichtig. Nach wie vor schaffen viele Ideen aus der Klinik den Weg in die Anwendung nicht und auch Forscher finden aus der Grundlagenwissenschaft nur schwer den Zugang zur Klinik. Förderprogramme können hier wie ein verbindendes Element wirken und die Translation von Ideen befördern.

In welchen Bereichen der Augenheilkunde sehen Sie persönlich den größten Innovationsbedarf?

Momentan ist der größte Innovationsbedarf ganz sicher im Bereich der Behandlung von degenerativen Augenerkrankungen zu sehen. Dazu gehört die Altersabhängige Makuladegeneration und erbliche Makulaerkrankungen, das diabetische Makulaödem, aber auch das Glaukom. Innovationsbedarf sehe ich hier insbesondere in der Entwicklung neuer Therapiestrategien bis hin zum Zell- und Gewebeersatz. Sicherlich muss aber auch mehr über protektive Maßnahmen nachgedacht werden. Im Bereich der Netzhautchirurgie wären Impulse zur Weiterentwicklung von Glaskörper-Ersatzstoffen sinnvoll.

Was erwarten Sie sich von den eingereichten Projekten?

Von den eingereichten Projekten erwarte ich mir neue und spannende Ideen im Bereich der Augenheilkunde. Dabei ist es nicht so wichtig, wie weit ein Projekt schon entwickelt wurde. Hilfe bei der Umsetzung sollte im Vordergrund stehen, allerdings sollte ein vernünftiger Weg dafür zu erkennen sein. Weiterhin können derartige Förderprogramme auch Kooperationen stärken, was sicherlich hilfreich wäre im Forschungsbereich.