Förderprogramm für Augenheilkunde

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Deutsches
Förderprogramm
für Augenheilkunde

Prof. Dr. med. Carsten Framme, Hannover

Prof. Dr. med. Carsten Framme

»Gerade im Bereich der medikamentösen Therapie am Augenhintergrund sehe ich großes Potential für die nächsten Jahrzehnte.«

Prof. Dr. med. Carsten Framme

Interview:

Herr Prof. Framme, in der Vergangenheit haben Erfindungen deutscher Experten der Augenheilkunde entscheidende Impulse gegeben. Welche sind für Sie auch heute noch von wegweisender Bedeutung?

Als Retinologe sind für mich insbesondere die Erfindungen des Augenspiegels, der Lichtkoagulation und nicht zuletzt die Entwicklung der Vitrektomie – allesamt von deutschen Ophthalmologen ins Leben gerufen – von besonderer Bedeutung. Ohne diese bedeutenden Errungenschaften wäre die moderne Augenheilkunde undenkbar.

Sehen Sie aktuell bahnbrechende Entwicklungen in der Augenheilkunde, die mit den Erfindungen der Vergangenheit schritthalten können?

Ich bin fasziniert von den aktuellen Möglichkeiten bildgebender, nicht-invasiver Diagnostik und deren Entwicklung, wie wir sie z.B. von der OCT-Technik her kennen. Wenn man sich anschaut, wie sich das OCT in den letzten Jahren immer weiter entwickelt hat und diese Entwicklung bezüglich Auflösung und flächenmäßiger Erweiterung des Scan-Areals stets weitergeht, dann ist das schon bahnbrechend. Autofluoreszenz-Techniken und Weitwinkel-Fotographie sowie -Angiographie runden das Bild entsprechend ab.

Auf therapeutischer Ebene hat es mit dem Beginn der intravitrealen Injektionstherapie einen definitiven Paradigmenwechsel in der Behandlung von Makulaerkrankungen, insbesondere der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) gegeben, deren Erfolge im Sinne der Vermeidung von Blindheit enorm sind. Gerade im Bereich der medikamentösen Therapie am Augenhintergrund sehe ich großes Potential für die nächsten Jahrzehnte.

Sie engagieren sich in der unabhängigen Expertenkommission des Deutschen Förderprogramms für Augenheilkunde von Bayer. Wie stufen Sie selbst die Bedeutung dieses Förderprogramms ein und was ist Ihre Erwartung?

Gute Ideen in handfeste Projekte umzusetzen, kann sehr schwierig sein. Häufig fehlen entsprechende Ausstattungen und Fördermittel, um relativ kurzfristig und ohne viel Bürokratie starten zu können. Ein entsprechendes Förderprogramm kann gerade hier helfen, Projekte adäquat zu unterstützen. Dabei gehört neben dem definitiven Hauptpfeiler „Finanzielle Unterstützung“ auch der immer wichtiger werdende Pfeiler „Vernetzung“ dazu, für den dieses Förderprogramm eine gute Grundlage bieten kann. Hier erhoffe ich mir durchaus Synergieeffekte zwischen verschiedenen Forschungseinrichtungen, -Gruppen und -Personen.

Welchen Stellenwert hat die Forschung im Alltag einer heutigen universitären Augenklinik?

Universitäten sind die wichtigsten Institutionen, in denen eine unabhängige Forschung möglich ist. Unter dem immer größer werdenden finanziellen Druck im klinischen Alltag gestaltet sich die patientenbegleitende Forschung zunehmend schwieriger. Wichtig ist es hier, sich Freiräume zu schaffen, in denen Projekte zielgerichtet bearbeitet werden können. Dieses ist sowohl bei klinischen Studien als auch bei experimentellen Laborarbeiten von besonderer Bedeutung. Adäquate Förderungen tragen dazu bei, dass solche Freiräume geschaffen werden können, damit universitäre Forschung ihren immens wichtigen Stellenwert behalten kann und junge wissenschaftlich interessierte Mitarbeiter vielleicht etwas einfacher für dieses Segment universitärer Ausbildung motiviert werden können.

Wie ist Ihre Erwartung bzgl. möglicher Innovationen innerhalb der Augenheilkunde in den kommenden fünf Jahren?

Von therapeutischer Seite werden die Operationsmethoden am Auge immer feiner und weniger-invasiv. Aktuelle Möglichkeiten wie 25G-Vitrektomien oder lamellierende Techniken bei Hornhaut-Operationen zeugen von den enormen Weiterentwicklungen, die den Patienten in besonderem Maße zugutekommen. Wie bereits beschrieben, wird die medikamentöse Netzhauttherapie einen wahrscheinlich immer größer werdenden Raum einnehmen, um chronische Erkrankungen erfolgreich behandeln zu können. Mit den aktuellen Implantat-Techniken der Netzhaut-Chips hat die Zukunft im Bereich bahnbrechender Innovationen – in diesem Fall für hereditäre Netzhauterkrankungen – bereits begonnen. Definitiv steckt sie noch in den Kinderschuhen, aber weitere Entwicklungen und Verbesserungen sind bereits im angesprochenen Zeitraum absehbar. Und vielleicht ist die Augenheilkunde in fünf Jahren bereits soweit, dass Stammzellen-basierte Therapiemöglichkeiten im regulären Klinikalltag angeboten werden können. Man darf gespannt bleiben.